Aus dem Vorwort der 13. Auflage „Texten wie ein Profi“

Vorweggenommen

Kurt Weidemann hat sich in seinem Buch „Wortarmut – im Wettlauf mit der Nachdenklichkeit“ über die Hohldonnerei in Werbung und Politik, über die Abkürzungsexorzisten und andere Unkulturen und Sprachmetastasen bestens ausgelassen, so dass an dieser Stelle mir eines bleibt, Ihnen diesen Geheimtipp weiterzureichen: Lesen!

Wolf Schneiders hervorragende Lektüre über all das, was die Schule zu lehren vergaß, Stemmlers Stillehre, Glunks Schreib-Art, Urbans Pointierte Werbesprache, nicht zu vergessen die Praxisreihen für Journalisten und Rudolf Gerhardts Lesebuch für Schreiber und Dagmar Gaßdorfs Zeug zum Schreiben. All diese bewährten Werke rangieren in meiner Bewertungsskala zwischen eindrucksvoll und lehrreich.

Meine besten Empfehlungen, denn wozu bereits Geschriebenes wiederholen?

Authentisch bleiben!

Wenn Unternehmen die Floskel kundenorientiert benutzen, dann muss die Kundenorientierung auch konsequent und in allen Bereichen gelebt werden: in einer sympathischen Korrespondenz, in übersichtlichen Formularen oder auch in verständlichen Gebrauchsanleitungen. Wer lebhafte Worte wie Dynamik und Frische in seiner Werbung verwendet, hat dafür zu sorgen, dass diese durch dynamische und frische Worte über alle Ebenen im Unternehmen kommuniziert werden. Sollten Sie eher konservativ denken und handeln (was ja kein Fehler ist), dann verzichten Sie auf jeden süßlichen Gag. Seien Sie dann aber auch im sprachlichen Auftritt betont konservativ.

  • Sprache nicht dem Zufall überlassen.
  • Einmaligkeiten auf den Punkt bringen.
  • Und vor allem: Authentisch bleiben!

Viel Wertvolles ist dem Land entschwunden. E-Mails sorgen dafür, dass die Wertigkeit eines Briefes enorm steigen wird. Wenn das so ist: Warum nicht im klassischen Stil auf Büttenpapier schreiben und somit die Tradition Ihrer Vorfahren in Ihrem Hause weiter pflegen? Das stünde manch altem Hamburger Handelshaus besser, als sich von postmodernen Agenturen affige Auftritte verschreiben zu lassen.

Produkte und Dienstleistungen werden immer vergleichbarer; umso wichtiger ist es, in der Informationsflut die Einmaligkeiten und Besonderheiten in einfachen Worten herauszustellen. Differenzierung wird für den Konsumenten zunehmend schwieriger.

Auf die Frage nach dem Erfolgsgeheimnis meines Buches „Texten wie ein Profi“gebrauche ich die treffliche Vokabel nachhaltig. Mit ihr gelingt es, den roten Faden für die Antwort zu spinnen.

Nachhaltigkeit steht für:

  • längere Zeit anhaltende Wirkung,
  • für ein forstwirtschaftliches Prinzip.

Der Förster fällt nicht mehr Holz, als jeweils nachwachsen kann … Wirtschaftsleute haben daraus einen Plan abgeleitet: qualitatives Wachstum.

Schaffen Sie wachsende Güte in der schriftlichen Kommunikation durch geplante Griffe in unseren Wortschatz. Reichlich konstruktiv-kreativ nach einer zwar dem Wandel unterlegenen, aber beständigen Methode. Frei von verheißungsvollen Patentrezepten oder Modegags, die da und dort präsentiert werden. Kein Förster verspricht, dass Bäume unendlich in den Himmel wachsen! Die im Buch beschriebene Methode ist deshalb länger stark auswirkend.

Das Rezept: Theorie in dem Maße, wie es die Lesernatur verträgt; so viel Inhalt, dass fortschrittliche Entwicklungen möglich sind. So wuchs mit jeder Auflage stetig die Fangemeinde, während sich die Jahresringe aller Bäume mehrten.

Nachwort

In der Cambridge Enzyklopädie der Sprache wird vor Wortspielen gewarnt. Die Liebhaber verbaler Wortstreiche sollten sich davor in Acht nehmen, dass das Spielen mit Wörtern zum Zwang wird. Dieses Phänomen wurde erstmals 1939 von einem deutschen Chirurgen konstatiert und heißt seither „Förster-Syndrom„.